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Informationsveranstaltung zu palliativer Versorgung

In Zeiten zunehmend technisierter Medizin, der scheinbar unbegrenzten therapeutischen Möglichkeiten und dem Glauben, das beginnende 21. Jahrhunderts könne nahezu jede Erkrankung mit Erfolg behandeln, wurde dem Sterben eher weniger Beachtung geschenkt. Das Sterben verlagert sich in Institutionen, mit der Folge, dass eine direkte Erfahrung mit sterbenden Menschen in der Gesellschaft häufig fehlt. Unsicherheit und Angst prägen dann den Umgang mit der letzten Lebensphase. Begriffe wie „austherapiert“ und „wir können nichts mehr für Sie tun“ führen dazu, dass sich schwerstkranke und sterbende Menschen aus dem Gesundheitssystem ausgegrenzt fühlen.
Diese Sätze stellte Frau Susanne Kern, von der Klinik für Palliativmedizin im Klinikum Aachen, an den Anfang eines Vortrages bei der Prostatakrebs Selbsthilfegruppe Alsdorf.
Das Wort Palliativ leitet sich von dem lateinischen Begriff pallium (der Mantel) ab. Unter dem Ansatz dieses ganzheitlichen Begriffes hat sich als Fachdisziplin die Palliativmedizin gegründet.
Ziel der Palliativmedizin ist es, Patienten im fortgeschrittenen Stadium einer unheilbaren Erkrankung durch fachlich fundierte, ganzheitliche und individuelle Begleitung, eine hohe Lebensqualität unter größtmöglicher Selbstbestimmung zu gewährleisten. Der Patient soll in der Bewältigung seiner Probleme so viel Hilfe und Unterstützung erhalten, dass noch Aufmerksamkeit und Energie zum Leben übrig bleibt oder anders formuliert, das Leben zu seinem Recht kommen kann.
Im weit fortgeschrittenen Stadium einer Tumorerkrankung sind Patienten häufig mit zahlreichen Problemen und Ängsten konfrontiert. Neben dem Leiden an behandlungsbedürftigen Schmerzen und anderen Symptomen drohen sie alles zu verlieren, was ihnen im Leben wichtig war.
Das Palliativteam versucht Patienten und ihren Angehörigen, bzw. Zugehörigen adäquate Unterstützung zu geben.
Nach anfänglich zögerlichem Start Mitte der 80er Jahre haben sich die palliativen und hospizlichen Strukturen in Deutschland kontinuierlich entwickelt. Im Sommer 2006 standen 268 stationäre Einrichtungen mit 2218 Betten zu Verfügung. Von einer flächendeckenden Palliativversorgung sind wir aber immer noch weit entfernt.
Im ambulanten Bereich gibt es vielerorts ambulante Hospizgruppen und Hospizdienste, die sich Ehrenamtlich für die Belange Sterbender und deren Angehörige einsetzten. Speziell ausgebildete Hospiz- und Palliativpflegedienste, bieten eine spezialisierte Betreuung zu Hause bis zum Lebensende.
Wenn ein Sterbender nicht zu Hause gepflegt werden kann und keine Behandlung im Krankenhaus benötigt, bietet das stationäre Hospiz Geborgenheit und kompetente Betreuung.
Die Palliativstation ist spezialisiert auf die Behandlung, Betreuung und Begleitung von Patienten mit einer nicht heilbaren Erkrankung. Hier können z.B. in Aachen Patienten auch die ambulante Sprechstunde nutzen. Ein multiprofessionelles Team folgt dem Ziel krankheits- und therapiebedingte Schmerzen zu lindern und wenn möglich, die Krankheits- und Betreuungssituation der Betroffenen so zu stabilisieren, dass die Patienten wieder entlassen werden können.
Die vielen aufmerksamen Zuhörer hatten nach dem Vortrag, der durch eine Präsentation untermalt war sehr viele Fragen, die alle zur Zufriedenheit beantwortet wurden.
Für die Selbsthilfegruppe bedankte sich anschließend der Vorsitzende Josef Pagen bei Frau Kern mit einem Hinweis auf die Bergwerksgeschichte unsrer Stadt, mit dem Buch „Steiger Dörch“, Geschichten aus dem Bergbau an Wurm und Inde.

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